Was tun, wenn die Kita plötzlich zu ist

Ich war inzwischen richtig gut in der Kita und der Spatzengruppe angekommen und habe mich sehr wohl gefühlt. Ich habe Freunde gefunden, mit denen ich gerne spiele – und natürlich auch mit den Erzieherinnen.

Doch dann kam ein fieser Virus und alles wurde anders: Mitte März wurden die Schulen und Kitas geschlossen, Oma und Opa sollte ich erstmal nicht besuchen, vor allem nicht die Uri, und auch sonst hatten wir erstmal keinen Kontakt zu den Freunden von Mama und Papa und der Familie. Nur Großmama und Großpapa konnte ich weiterhin sehen, da sie ja direkt nebenan wohnen. Auch unsere Freunde aus Brasilien, die bei uns im Haus wohnen, hatten immer wieder Zeit für mich und spielten mit mir, da sie nicht mehr ins Institut gingen, sondern von zu Hause aus arbeiteten. Ich durfte nicht mehr mit zum Einkaufen, Spielplätze waren auch zu und auch sonst machten wir zunächst keine Ausflüge z.B. in den Zoo, sondern gingen viel spazieren, was unseren Hund Lana ziemlich freute. Manchmal durfte ich bei Papa in der Kraxe sitzen, aber bei kleineren Spaziergängen in die Weinberge bin ich auch viel selbst gelaufen, durfte Lana an der Leine führen, beobachtete Käfer auf dem Boden und sammelte Kieselsteine.

Mama und Papa hatten zum Glück auch weniger Arbeit als sonst oder konnten sich Urlaub nehmen. Deshalb hatten sie viel Zeit für mich und wir haben viel gemeinsam erlebt, gebastelt und gebaut. Auch Großmama und Großpapa haben viel Zeit mit mir verbracht, sodass mir eigentlich nie langweilig war.

So haben wir im ersten Corona-Lockdown einiges gemacht:

Wir haben mit Fingerfarben bunte Tulpen an unser und Großmamas Fenster gemalt. Ich habe mit meinen Händen die Blüten gepatscht und Mama die Blätter und Stiele gemalt. Mit Mama und Papa habe ich lustige Vögel gebastelt, die wir ins Fenster hängen konnten. Da ja bald Ostern war haben wir auch Geschenke gebastelt: kunterbunte Ostereier aus Pergamentpapier fürs Fenster. Kurz vor Ostern habe ich mit Mama Ostereier bemalt. Ich habe Eier mit Regenwürmern, Elefanten und bunten Blumenwiesen gemalt. Ein paar davon habe ich Oma & Opa und meinen Tanten und Onkels geschickt, da wir uns an Ostern wegen Corona leider nicht sehen konnten.

Papa und Großpapa habe ich geholfen einen riesengroßen Sandkasten zu bauen. Wir haben gebohrt, gehämmert, gesägt und am Ende ganz viel Sand mit den Schubkarren gefahren. Außerdem haben wir ganz viel im Garten gearbeitet. Mama und Papa haben einen Zaun aufgebaut, damit Lana und ich in Sicherheit im Garten spielen können. Da habe ich auch fleißig mitgeholfen: ich habe Beton gerührt, die Zaunpfähle zu Mama gebracht – die waren ganz schön schwer, und immer wieder Sachen in meinem Schubkarren transportiert.

„Die Erwachsenen sehen inzwischen ziemlich lustig aus, weil sie alle einen Mundschutz tragen, wenn sie einkaufen gehen.“

Emil (2 Jahre)

Immer wieder haben wir übers Handy oder den Laptop mit Oma und Opa oder meinen Tanten und Onkels telefoniert. Manchmal haben wir so sogar miteinander gefrühstückt. Das war ganz lustig, aber ich war dann auch sehr froh, als ich nach ein paar Wochen Oma und Opa auch wieder richtig besuchen durfte.

Die Erwachsenen sehen inzwischen ziemlich lustig aus, weil sie alle einen Mundschutz tragen, wenn sie einkaufen gehen. Manchmal nehme ich zu Hause einen Socken von mir und tue so, als hätte ich auch einen Mundschutz. Dann lacht Mama immer, aber ein bisschen komisch findet sie es auch, weil es ihr auch etwas Angst macht, was diese verrückte Zeit mit uns Kindern macht.  

Im Sommer kam dann meine kleine Schwester auf die Welt. Mama und Papa waren nur ganz kurz im Krankenhaus, weil ich Mama dort nicht hätte besuchen dürfen. Ich war ganz aufgeregt, als ich meine kleine Schwester das erste Mal auf dem Arm halten durfte. Viel Besuch durfte leider nicht kommen um die kleine Lina zu sehen, aber weil Papa und Mama dann einen Monat beide nicht arbeiten mussten, hatten wir ganz viel Zeit zusammen. Auch jetzt ist Mama die ganze Zeit zu Hause und kann mit mir und Lina spielen. Und weil Papa im Home Office arbeitet, ist er auch immer da und kann Mittags kurz mit mir spielen oder ein Buch vorlesen.

Ich fand es richtig toll im Sommer und Herbst wieder in die Kita zu gehen und habe mich sehr gefreut, wieder mit meinen Freunden zu spielen und mich auf dem Spielplatz mit ihnen zu treffen. Jetzt im zweiten Lockdown fehlt mir das ziemlich und Mama weiß manchmal gar nicht mehr, was sie mit mir noch alles spielen und basteln kann. Trotzdem geht es uns wirklich gut und ich bin sehr froh, dass Mama in Elternzeit ist und nicht arbeiten muss. So hat sie immer Zeit für mich und wir haben sehr viel Spaß miteinander.

Wir alle sind sehr dankbar, dass niemand aus unserer Familie oder von unseren Freunden schwer erkrankt ist und dass es uns auch sonst so gut geht und wir so viel Glück haben in dieser schwierigen Zeit. Von Freunden aus dem Ausland hören Mama und Papa manchmal schlimme Geschichten und auch hier in Deutschland gibt es Menschen, die sehr unter dieser Pandemie leiden. All denen wünschen wir viel Kraft und Zuversicht und dass das Leben bald wieder fröhlicher wird.

Emil (2 Jahre) mit seiner Familie

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