Strukturreform 2010

Nach einer über 2-jährigen Erprobungsphase ist sie nun seit 1. Januar 2010 Wirklichkeit, die neue Struktur im Stadtkirchenbezirk Karlsruhe. Was heißt das und was bedeutet diese Reform nun für Grötzingen?

Zunächst endet damit eine Jahrhunderte dauernde Tradition, es endet nämlich die Selbstständigkeit der Evangelischen Kirchengemeinde  Grötzingen. Wir sind kirchenrechtlich nur noch eine unselbstständige Pfarrgemeinde, eine von 33 in der neuen Kirchengemeinde „Evangelische Kirche in Karlsruhe“ mit rund 80 000 evangelischen Gemeindegliedern. Kirchenbezirk und Kirchengemeinde sind in diesem neuen Stadtkirchenbezirk vereint. Statt der früheren 3 Ebenen (Bezirk –  Kirchengemeinde – Pfarrgemeinde) gibt es jetzt nur noch 2 Ebenen, der Stadtkirchenbezirk, gleichzeitig Kirchengemeinde, und die Pfarrgemeinden. Durch den Verlust der Selbstständigkeit ist der frühere Kirchengemeinderat zum Ältestenkreis geworden. Auch wenn wir rechtlich eine Pfarrgemeinde sind, wollen wir uns weiterhin Evangelische Kirchengemeinde Grötzingen nennen.

Rechtlich und organisatorisch bedeutet dies, dass alle nicht in der Verkündigung tätigen Mitarbeiter wie Pfarramtssekretärin, Chorleiter, Kirchendiener und alle Erzieherinnen in den Kindergärten nicht mehr bei uns beschäftigt sind, sondern neuer Dienstherr ist die Evangelischen Kirche in Karlsruhe. Für die vielen ehrenamtlichen Mitarbeiter ändert sich natürlich nichts.

Die Kindergärten werden jetzt zentral verwaltet und bewirtschaftet durch die Evangelische Kirchenverwaltung Karlsruhe, wie sich jetzt das frühere Stadtkirchenamt beim Mühlburger Tor nennt. Aber wir sehen die beiden Kindertagesstätten Am Kegelgrund und Fröbelkindergarten weiterhin als unsere Kindergärten an. Die Verbindungen der beiden Einrichtungen zur Gemeinde sind so eng und gut wie vorher. Es gibt regelmäßige Dienstbesprechungen mit unserer Kirchengemeinde und wir haben auch Einfluss auf Neueinstellungen. Allerdings können größere Maßnahmen wie z. B. Schaffung von Plätzen für Kinder unter 3 Jahren oder Umbauten nicht mehr direkt von uns angegangen werden, sondern sind bei der Kirchenverwaltung zu beantragen und mit Nachdruck zu verfolgen.

Während wir früher als selbstständige Kirchengemeinde Kirchensteuereinnahmen zur finanziellen Deckung der vielen Aufwendungen wie Gehälter, Betrieb des Pfarramtes und der Kindergärten, Bauunterhaltung, Kosten für Energie, Baumaßnahmen usw. erhalten haben, bekommen wir heute praktisch nichts mehr. Die Kosten für die Gehälter der Angestellten, für die Bauunterhaltung und Bewirtschaftung (Strom, Gas, Wasser, Reinigung) der Gebäude werden dafür vom Stadtkirchenbezirk getragen. Das klingt zunächst nahezu kostenneutral. Aber, wer bezahlt, bestimmt! Die  Gestaltungsmöglichkeiten liegen dann nicht mehr primär bei der Gemeinde, sondern bei der Stadtkirche. Wie sich so etwas auswirken kann, bleibt abzuwarten. Die bisherige Flexibilität und der Handlungsspielraum sind auf jeden Fall  eingeschränkt.

Bei größeren Baumaßnahmen wie z. B. der Kirchenaußenrenovierung profitieren wir noch von einer Übergangsregelung und können wie früher als selbstständige Gemeinde handeln. Wenn dieser Status ab ca. 2014 nicht mehr gilt, müssen solche Baumaßnahmen sehr langfristig beantragt und ihre Durchführung vermutlich mühsam erkämpft werden. Dabei wird trotz fehlender Kirchensteuereinnahmen der Pfarrgemeinden auch verstärkt die Frage nach deren finanzieller Mitbeteiligung gestellt werden.

Was muss nun die Pfarrgemeinde selbst aufbringen? Zunächst mal jegliche Art von Anschaffungen wie z. B. Mikrofonanlage, Klavier, Möbel wie Tische, Stühle, Schränke; die komplette Ausstattung des Pfarrbüros mit Computer, Kopierer, Telefon und allen Verbrauchsmitteln. Des Weiteren das Drucken des Gemeindebriefes, Veranstaltungen wie Sonntagstreff, kleinere Geschenke und Aufmerksamkeiten und vieles mehr.

Bei den Einnahmen sind wir sehr stark auf die Unterstützung unserer Gemeindeglieder angewiesen. Das heißt, alle Kollekten, Opfer und Spenden für die eigene Gemeinde verbleiben vollständig hier und werden selbstständig verwaltet, es gibt keine Abgabe an die Stadtkirche. Gleiches gilt für andere Konten wie z. B. jene des Posaunenchors und des Krankenvereins. Weitere Einnahmequellen sind Vermietungen von Räumen, z. B. des Martin-Luther-Hauses, und Zinserträge von Rücklagen.

Auf die Gottesdienste und das vielfältige Gemeindeleben, auf Gruppen und Kreise hat die Strukturreform natürlich keinen Einfluss. Hier ist eher zu erwarten und zu hoffen, dass durch ein allmählich sich entwickelndes Wir-Gefühl  der Pfarrgemeinden der Evangelischen Kirche in Karlsruhe neue Anregungen und Impulse in die Gemeinde getragen werden und sich über Gemeindegrenzen hinaus eine fruchtbare Zusammenarbeit entwickelt.

Rainer Ehmann

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