Sprache

Corona, Lock-down, Abstandsregeln und das damit verbundene Fehlen von Gesprächspartnern haben mich dazu bewogen schriftlich niederzulegen, was mich seit langem beschäftigt: Der Gebrauch  unserer Sprache. Theodor Fontane wird der Satz zugeschrieben:

„Das menschlichste, was wir haben, ist doch die Sprache“.

Was hat Fontane wohl damit gemeint? Wollte er damit sagen, wir Menschen sind schwach und machen Fehler, und so gehen wir auch mit der Sprache um? Oder meinte er, die Sprache, die uns als einziges Lebewesen befähigt, unsere Gedanken in Worte zu fassen und sie anderen mitzuteilen und uns so  zu verständigen – anders etwa als Tiere , die sich zwar auch durch Laute verständigen können, sich dabei aber auf wenige Informationen beschränken, wie zB : wo bist Du, ich habe Hunger, du bist mein Feind – diese Sprache zeichnet den Menschen aus ? Wenn das so ist, müssen wir doch unsere Sprache als einen ganz besonderen Schatz hegen und pflegen und sorgsam mit ihr umgehen. Schafft sie doch Gemeinschaft und verbindet uns miteinander, gleichgültig, ob wir streiten oder unsere Einigkeit feststellen.

Aber würdigen wir so unsere Sprache?

In der letzten Zeit wird Sprache häufig diskutiert im Zusammenhang mit der Übernahme von Anglizismen – die oft auch noch falsch übernommen werden – und bei dem Gebrauch von Gendersprache. Darüber möchte ich jetzt nicht sprechen, obwohl darüber sehr viel zu sagen wäre. Natürlich verändert Sprache sich, sonst sprächen wir ja noch althochdeutsch. Sie muss sich auch verändern, weil die Veränderung unserer Lebensumstände sprachlich erfasst werden  muss.

Aber trotzdem bleibt unsere Sprache doch gewissen Regeln unterworfen und kann nicht , um verständlich zu bleiben, in das Gegenteil gewandelt werden. Das passiert aber nicht nur in unserer Alltagssprache sondern auch zB in Zeitungen, wohl bedingt durch Schreibprogramme, die nicht überprüft werden und sogar in Büchern, also Literatur , wenn es sich nicht um die Wiedergabe von Alltagssprache handelt.

Hier einige Beispiele:

  • Der ständig falsche Gebrauch von „scheinbar“ und „anscheinend“. „Scheinbar“ bedeutet: es sieht so aus als ob , aber wir wissen, daß es anders ist  . . . „anscheinend“ dagegen heißt, es sieht so aus, als ob, aber wir wissen es nicht …. Es besteht also ein großer Unterschied zwischen beiden Begriffen.
  • Der falsche Gebrauch von „dasselbe“ und „das gleiche“. Dasselbe betont die Identität, das gleiche bedeutet, es sieht gleich aus, ist aber nicht identisch. Deshalb belustigt es mich immer wieder, wenn die Bundesbahn die Abfahrt eines Zuges auf dem gleichen Bahnsteig gegenüber ansagt. Da darf man dann doch wohl fragen: ja, wo denn nun?
  • Zu Verwirrung führt auch die falsche Groß- und Kleinschreibung bei dem Personalpronomen „sie“. „Sie“ lügen ist etwas anderes als „sie“ lügen. Nicht immer ergibt der Zusammenhang , was gemeint ist.
  • Unschön ist auch der ständig falsche Gebrauch von „als“ und „wie“ beim Vergleich. Ich kann mich noch erinnern, daß der sehr viel ältere Sohn unserer Nachbarn mir einhämmerte: „ ebenso wie – anders als . .!“ Das hat sich mir damals eingeprägt. Aber heute scheint es so, als ob „als“ im Vergleich verschwunden ist.
  • Ein weiterer Fehler, der mich sehr stört, vielleicht weil die saubere Unterscheidung für mich im Beruf sehr wichtig war, ist der Gebrauch des Konditionals in der indirekten Rede. Ein Beispiel: Er sagte , er sei Lehrer geworden und nicht: er sagte: er wäre   Lehrer geworden. Daran knüpft sich gleich eine Bedingung, etwa: wenn er nicht lieber gemalt hätte. Und „wäre“ heißt hier, dass er gerade nicht Lehrer ist.

Und nun noch einige Beispiele auf die ich gestoßen bin:

So hing vor der Zufahrt zu einem Privatparkplatz ein Schild: „Das Befahren fremder Autos ist verboten“  Das fand ich sehr tröstlich.

Oder:

Auf den Sammelcontainern für alte Schuhe in Grötzingen steht: „Nur tragfähige Schuhe einwerfen“. Gemeint sind natürlich „tragbare“ Schuhe. Eine Brücke ist – hoffentlich – tragfähig, Schuhe halten natürlich auch das Gewicht des Trägers aus, aber entscheidend für das Sammeln von alten Schuhen ist, ob sie noch getragen werden können, also noch tragbar sind.

Oder:

Ganz besonders grotesk fand ich die Mitteilung in einer Zeitung, daß jemand mit der Richtigstellung falscher Verleumdungen befaßt sei. Darüber kann man lange nachdenken: Verleumdungen sind immer unwahr, wenn sie falsch sind, sind es Wahrheiten. Aber wie stellt man Wahrheiten richtig?

Ich denke, es ist uns nicht mehr gegenwärtig, welch kostbarer Schatz die Sprache ist. Wie Fontane es sagte: das menschlichste ,was wir haben.

-Elke Heil

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