Spannende Lektüre

Ein Arbeitskreis der Heimatfreunde Grötzingen unter Federführung von Klaus Horn hat am Ende des vergangenen Jahres ein höchst bemerkenswertes Buch veröffentlicht. Es trägt den Titel:

Leben und Arbeiten in Grötzingen in den 50er und 60ger Jahren – Zur wirtschafts- und Sozialgeschichte von 1945 bis 1973. 168 Seiten broschiert, Karlsruhe 2020

Die Adressbücher und das „Pfinztal“ sind die „Fundgrube“, aus der die Autor*innen geschöpft und einen Blick auf die bemerkenswerten Wandlungsprozesse einer ganzen Generation geworfen haben Dazu gehört auch der Blick auf die christlichen Kirchen in Grötzingen.

In der Rubrik „Sonstige“ finden sich neben den Muslimen vor allem Konfessionslose, zu denen auch die aus den Kirchen ausgetretenen rechnen. Es ergibt sich ein Bild der zunehmenden Pluralisierung unserer Gesellschaft, in der die Rolle und der Stellenwert der Religion nicht so eindeutig zu erkennen sind. Der Zwang der Konvention weicht auch hier der eigenen Entscheidung, die die Religionsfreiheit voll in Anspruch nimmt. Die Institution Religionsgemeinschaft wird eher als Dienstleister an Knotenpunkten des Lebens in Anspruch genommen. Daraus erwachsen auch für die Kirchen neue Aufgaben, den Glauben ins Leben zu ziehen. Wie kann in einer solchen Gesellschaft der Glaube zum bergenden Netz von Menschen werden, die sich gegenseitig stärken und zu einem Leben ohne Angst verhelfen?

Wie spannend ein Blick in die Sozialgeschichte einer Kommune sein kann, wird an diesem kleinen Ausschnitt sehr deutlich sichtbar. Wer sich in dieses erhellende Büchlein vertieft, wird so manche Entdeckung machen und einen neuen Blick auf die Gegenwart mit ihren vielfältigen Wandlungsprozessen, in denen wir uns befinden, werfen.

Eckhart Marggraf

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