Ostern vor einem Jahr

Der erste Lockdown war gerade erst verhängt. Die Verunsicherung im Umgang damit war groß. Das gemeinsame Feiern von Gottesdiensten schien in weite Ferne gerückt. Wie würde Ostern 2020 aussehen. Der Gottesdienst am Ostermorgen auf dem Grötzinger Friedhof war ohnehin abgesagt. In dieser Situation nahmen wir uns vor, alleine am Ostermorgen in aller Frühe aufzubrechen und auf dem Friedhof nach dem Auferstandenen zu suchen.

Als wir vor die Haustür traten, hörten wir überrascht Trompetenklänge von der Häuserzeile über uns am Berg. Osterchoräle klangen über das ganze Tal von einer einsamen unermüdlichen Trompetenstimme. Allein, wir kannten keinen Bläser in unseren Nachbarhäusern, von dem die Töne kommen könnten. Bis wir merkten, dass es nur der Widerhall war, der aus einem fernen Garten in der Siedlung stammen konnte. Sofort war klar: das kann nur Ulrich Krieger sein, der uns am frühen Morgen die Botschaft zurief: „Christ ist erstanden, er ist wahrhaftig auferstanden!“

Während wir an der Pfinz entlang gingen, verstummte die Melodie. Aber je näher wir zum Friedhof kamen und schließlich auf der Lindenallee allmählich den Friedhof erreichten, ertönte erneut eine Trompete bis wir das Friedhofstor durchschritten hatten. Eine Familie eines unserer Bläser aus dem Posaunenchor hatte sich am Grab ihrer Familie eingefunden, um Trost in der Trauer zu finden und auch anderen Trost weiterzugeben.

Solchen Trost haben wir ganz besonders nötig und vor allem solche Trostspender, die an die Stelle von Ulrich Krieger treten und sein Amt weiterführen.

Eckhart Marggraf

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