Nagelkreuz

Am 14. November 1940 wurde die englische Stadt Coventry von der deutschen Luftwaffe bombardiert. 550 Menschen starben. Zahlreiche  Gebäude wurden zerstört unter anderem die St.-Michael-Kathedrale, deren Turm erhalten blieb. Goebbels sprach davon, die englischen Städte zu coventrieren.

Bei den Aufräumarbeiten der Kirchentrümmer ließ der damalige Dompropst Richard Howard drei große mittelalterliche Zimmermannsnägel aus dem Dachstuhl, die aus den Trümmern geborgen wurden, zu einem Kreuz zusammensetzen. Ferner ließ er die Worte „FATHER FORGIVE“ (Vater vergib) an die Chorwand schreiben und ein großes Kreuz aus zwei verkohlten Holzbalken zusammensetzen.

Das war der Beginn eines Versöhnungswerkes, das von Coventry ausging.

Das erste Kreuz aus Nägeln steht nun in der neuen Kathedrale. Es wurden aber noch mehr Kreuze gefertigt. Sie werden an Kirchengemeinden verliehen, die an Orten des Schreckens waren und sich für Frieden und Gerechtigkeit einsetzen.

Vor zwei Jahren wurde in einem feierlichen Gottesdienst in St. Stephan ein Nagelkreuz übergeben. Es steht nun auf einem Seitenaltar und kann an Gemeinden der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen ausgeliehen werden.

Eine Woche lang war dieses Kreuz während der Friedensdekade in Grötzingen.

Zu dem Kreuz gehört eine Liturgie der Gemeinschaft, die freitags an den Orten mit Nagelkreuzgemeinschaften  gesprochen werden soll.

Sie lautet und sie zeigt christliche Suche nach Frieden und Versöhnung:

ALLE HABEN GESÜNDIGT UND ERMANGELN DES RUHMES,DEN SIE BEI GOTT HABEN SOLLTEN. (Röm 3,23)

Den Hass, der Rasse von Rasse trennt, Volk von Volk, Klasse von Klasse,

VATER VERGIB

Das Streben der Menschen und Völker zu besitzen, was nicht ihr Eigen ist

VATER VERGIB

Die Besitzgier, die die Arbeit der Menschen ausnutzt und die Erde verwüstet

VATER VERGIB

Unseren Neid auf das Wohlergehen und Glück der Anderen

VATER VERGIB

Unsere mangelnde Teilnahme an der Not der Gefangenen, Heimatlosen und Flüchtlingen

VATER VERGIB

Die Entwürdigung von Frauen, Männern und Kindern durch sexuellen Missbrauch

VATER VERGIB

Den Hochmut, der uns verleitet, auf uns selbst zu vertrauen und nicht auf Gott

VATER VERGIB

SEID UNTEREINANDER FREUNDLICH, HERZLICH UND VERGEBET EINER DEM ANDEREN,WIE GOTT EUCH VERGEBEN HAT IN JESUS CHRISTUS. (Eph. 4,32)

Ulrich Schadt

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