Musikalische Überraschungen

Die Besucher des Grötzinger Kammerkonzerts wurden am Sonntag in doppelter Hinsicht überrascht: Welcher Schatz an virtuosen und hochsensiblen Musikern unterrichtet an den Musikschulen unseres Landes und gibt seine reichen Fähigkeiten an eine nachwachsende Generation weiter und hält damit unsere Musikkultur am Leben! Ute Pahl und Géza Kayser unterrichten in Heidelberg Violine und Viola und traten als Geigen-/Bratschenduo „Eins zu Eins“ zwischen den beiden Instrumenten gegenseitig abwechselnd in dem idealen Klangraum der gotischen Dorfkirche auf.

Die zweite Überraschung: Was für ein Repertoire bietet diese Duo-Konstellation! Mit der Kanonischen Sonate Nr.1 von Georg Philipp Telemann holten die zwei Geigen die Hörenden bei vertrauten barocken musikalischen Formen und Klängen ab, ließen aber durchaus durch Frasierung und Agogik den Charakter ihrer Auffassung klar erkennen. Max Regers Duo Nr. 1 im alten Stil schloss sich daran ideal an, in dem es den Hörenden eine neue Welt eröffnete, die in Sergei Prokofievs Sonate aus dem Jahr 1932  eine spannende Entfaltung auf dem Höhepunkt musikalischer Entwicklung in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zum Klingen brachte. Diese viersätzige breit entfaltete Sonate ist überreich an Motiven, Stimmungen und Gegensätzen und lässt angesichts der Vielfalt staunende Hörer zurück voller Bewunderung für die beiden souveränen sensibel aufeinander eingehenden Virtuosen.
Nach diesem musikalisch und kompositorischen Höhepunkt kehrten die beiden Streicher scheinbar zum Gewohnten zurück, indem sie das Menuett aus dem Duo op.13 von Louis Spohr wählten. Jetzt aber trat ein weiterer gelungener Effekt ein. Denn jetzt trat eine Bratsche hinzu, die eine Quint tiefer reichend und mit vielen Doppelgriffakkorden das Klangvolumen so erweiterte, dass der Eindruck eines Streichquartetts sich immer wieder aufdrängte. Die Virtuosität, die dieser breit entfaltete Satz spielerisch erfordert, ließ die beiden Spielenden voll ihre Fähigkeiten entfalten. Spielfreude und Virtuosität waren auch im Schlussstück, einer Fortschreibung der Passacaglia in g-moll von Händel durch Johan Halvorsen ein wunderbarer Effekt und grandioser Abschluss eines genial zusammengestellten Programms, dem die beiden Künstler ihr ganzes bravouröses Können in Dienst stellten und damit die Hörer zutiefst beglückten. Die beiden originellen Zugaben von Schnittke und einer Mozart-Parodie, ließen den Schalk der Musiker durchblicken.

ma.

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