„Mein Sequoia-Gebet“

Wenn ich mich klein, schwach und zitternd fühle
Oder von Strudeln der Veränderung hin und her gezogen werde,
Zu unbedeutend, um nützlich zu sein,
Zu „entwurzelt“, um mich zu behaupten,
bete ich mein Sequoia-Gebet.

Ruhig sitzen, normal atmen, zentriert werden im
gegenwärtigen Moment –
in diesem heiligen Augenblick –
Vor meinem geistigen Auge entsteht allmählich das Bild eines riesigen Sequoia-Baums.
Mein Sequoia-Gebet nimmt in meinem Herzen und meiner Seele Gestalt an
Während sich das Bild formt und auswächst, um mein Wesen zu erfüllen.

Jahrhundertealte Wurzeln, so breit und tief, dass sie Teil der Erde geworden sind.
Sie stützen einen riesigen, knorpeligen Stamm, der sich in den Himmel erhebt,
Ewigkeitsfalten, die in seine Oberfläche geschnitzt sind und Zeichen für die Ewigkeit enthalten,
Eine dicke, poröse Rindenhaut bedeckt den Körper, lässt den Stamm
Atmen,

und schützt ihn vor den Feuern, die sein Wachstum unterstützen,
Grüne Blätter, die aus der Spitze quellen und in den Himmel ragen,
Vögel und andere Wesen nährend, die Gliedmaßen ausgestreckt wie zum Gebet.

Das Bewusstsein von Gott erfüllt meine Seele.
Das Bild des Sequoia erfüllt mein Wesen.

Ausbreitend
hinunter in die Erde,
Tief in die Seele,
stark in den Körper.

Ruhig atmen, still sitzen, vertrauensvoll beten,
geerdet werden in der Menschlichkeit,
verwurzelt in Gott,
immer aufwärts strebend.
Mein Sequoia-Gebet füllt meine Zellen, meine Lunge, mein Herz, mein Gehirn
meine Seele, mein Wesen.

Mit Liebe, Gnade, Licht.
Mit Freude, Hoffnung.

Mit der Kraft Gottes, die ich brauche, um weiterzugehen! Ich danke dir, Gott!
Amen

  • Monteen Lucas in „Women’s Uncommon Prayers“: Unser Leben offenbart, genährt, gefeiert

„My Sequoia Prayer“

When I feel tiny, weak, and trembling
Or pulled this way and that by swirls of change,
Too insignificant to be of service,
Too „uprooted“ to hold my ground,
I pray my Sequoia Prayer.

Sitting quietly, breathing normally, becoming centered in the
present moment –
in this holy instant –
My mind’s eye gradually forms an image of a giant Sequoia.
My Sequoia prayer takes form in my heart and soul
As the image forms and fleshes out to fill my being.

Centuries-old roots so wide and deep they have become part of the earth.
Supporting enormous, gnarled trunk that soars into the sky,
Eternity wrinkles carved into its surface, holding character markings for the ages,
Thick, porous bark skin covering the body, letting the trunk
Breathe,

protecting it from the fires that must come to support its growth,
Green leaves gushing out the top, reaching to the heavens,
Nurturing birds and other beings, offering up limbs as if in prayer.

Awareness of God fills my soul.
Sequoia image fills my being.

Spreading
Down into the earth,
Deep into the soul,
Strong into the body.

Breathing calmly, sitting quietly, praying trustingly, becoming
Grounded in humanity,
Rooted in God,
Striving ever upward.
My Sequoia prayer fills my cells, my lungs, my heart, my brain
my soul, my being.

With love, grace, light.
With joy, hope.

With the strength of God I need to go on! Thank you, God!
Amen

  • Monteen Lucas in Women’s Uncommon Prayers: Our lives revealed, nurtured, celebrated

As far back as I can remember I have loved to walk. My childhood is filled with good memories of walking. Walking felt like adventure when my mom took me to walk the trails of the Audubon nature preserve after school: identifying the trees, collecting feathers, memorizing the maps.

So lange ich mich zurückerinnern kann habe ich es immer geliebt, zu Fuß zu gehen. Meine Kindheit ist voller guter Erinnerungen an das Wandern. Wandern – das fühlte sich wie ein Abenteuer an, wenn meine Mutter mich nach der Schule auf die Wanderwege im Audubon-Naturschutzgebiet mitnahm: Bäume identifizieren, Federn sammeln, Karten auswendig lernen.  

Walking with my best friend at the beach near home felt like joy: splashing in the waves, testing our ability to make it to the lighthouse before high tide, running in the wet hard sand. 

Mit meiner besten Freundin am Strand – ganz in der Nähe von meinem Zuhause – zu laufen, das fühlte sich an wie glücklich sein: in den Wellen planschen; ausprobieren, ob wir es vor der Flut bis zum Leuchtturm schaffen würden; so schnell wie möglich rennen auf dem nassen, harten Sand .

Walking each year with my church in a fundraising effort for the hungry felt like a mission. We were walking with a mission to alleviate some amount of suffering. 

Zusammen mit meiner Kirchengemeinde am jährlichen Benefizlauf gegen Hunger teilzunehmen, das fühlte sich an wie eine wirkliche Aufgabe. Wir liefen mit der Aufgabe, das Leid in der Welt ein kleines bisschen zu verringern.

When the pandemic began, I turned to walking for its sense of adventure – what new things would I discover? I turned to walking for its sense of joy – the simple pleasures of picking wildflowers as I walked. I turned to walking as medicine to alleviate my own personal anxiety. 

Als die Pandemie ausbrach, da wandte ich mich dem Spazierengehen zu, weil es in mir ein Gefühl von Abenteuer weckte – welche neuen Dinge würde ich entdecken? Ich ging spazieren, weil es mir Freude bereitete – das einfache Vergnügen, beim Gehen Wildblumen zu pflücken. Ich wandte mich dem Wandern als Medizin zu, um meine persönlichen Ängste zu lindern. 

But walking in the past few months became routine; more a chore than a joy. I had lost my wanderlust. An article in the Zeit entitled Ich Hasse Spazierengehen ein Kommentar von Amna Franzke resonated with me. 

Aber in den letzten Monaten wurde das Spazierengehen irgendwie zur Routine; mehr eine lästige Pflicht als eine Freude. Ich hatte meine Wanderlust verloren. Ein Artikel in der Zeit mit dem Titel “Ich hasse Spazierengehen”  ist mir im Gedächtnis geblieben. 

In the article she writes “Dieser Text ist für alle, die jeden gottverdammten Busch in ihrem Stadtpark kennen. Die nicht mehr um ihren Block laufen wollen und alle Runden gedreht haben.” I thought, she sees me! I really want to give up on this walking thing too! But then an unexpected walk brought me in the middle of a grove of Giant Sequoia trees. 

In dem Artikel schreibt Amna Franzke:“Dieser Text ist für alle, die jeden gottverdammten Busch in ihrem Stadtpark kennen. Die nicht mehr um ihren Block laufen wollen und alle Runden gedreht haben.” Das kam mir irgendwie bekannt vor! Ich hatte auch keine Lust mehr auf diese ganze Sache mit dem Spazierengehen! Aber dann brachte mich ein unerwarteter Spaziergang mitten in einen Hain von Riesenmammutbäumen. 

A little piece of my home in the USA was in my new home in Baden. It was here all along and I didn’t know it and I hadn’t seen it. In the middle of those 141 year old trees, planted from seeds sent across an ocean in 1880, the words of a prayer my mom had taught me – maybe on one of those Audubon trails of my childhood came to mind. The prayer is called “My Sequoia Prayer” and it begins…

When I feel tiny, weak, and trembling
or pulled this way and that by swirls of change,
Too insignificant to be of service,
Too „uprooted“ to hold my ground,
I pray my Sequoia Prayer.

Wenn ich mich klein und schwach fühle und zittere
oder wenn ich hin- und hergezogen werde vom Wirbel der Veränderung,
Zu unbedeutend, um von Nutzen zu sein,
zu „entwurzelt“, um standzuhalten,
dann bete ich mein Sequoia-Gebet.

Da stand ein kleines Stückchen meiner amerikanischen Heimat  ganz in der Nähe von meinem neuen Zuhause in Baden. Es war die ganze Zeit hier gewesen und ich hatte nichts davon gewusst, hatte es nie gesehen. Inmitten dieser 141 Jahre alten Bäume, gepflanzt aus Samen, die 1880 über einen Ozean geschickt wurden, kamen mir die Worte eines Gebets in den Sinn, das mir meine Mutter beigebracht hatte – vielleicht auf einem der Audubon-Pfade meiner Kindheit. Das Gebet heißt „Mein Sequoia-Gebet“ und es beginnt…

For me, this was a simple reminder that I should keep walking and that God is in the midst of my walking even when I feel far from home and ready to give up. 

Für mich war das ein Aufruf dazu, weiterhin spazieren zu gehen, und eine Erinnerung daran, dass Gott mit mir geht, auch wenn ich weit weg von zu Hause bin und bereit zum Aufgeben fühle. 

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