Maler mit Weitblick

Im Jahr 1982 malte der Grötzinger Maler Helmut Lingg Altarbilder im Stil eines mittelalterlichen Wandelaltars mit einer Mitteltafel und zwei seitlichen Tafeln, die im aufgeklappten Zustand die Mitteltafel ergänzen, im geschlossenen ein weiteres Bild zeigen, das die Mitteltafel verdeckt. Unterhalb dieser Tafeln ist ein weiteres Bild zu sehen, das unter einem Regenbogen Adam und Eva zeigt. Zwischen den beiden steht der „Baum der Erkenntnis“, an dem sich eine Schlange emporwindet.

Der Altar ist zu einer Zeit entstanden, als zum ersten Mal an den Hängen des Schwarzwalds deutliche Zeichen des „Waldsterbens“ sichtbar geworden waren. Der Maler reagiert auf diese Phänomene. Zehn Jahre zuvor hatten die Wissenschaftler des „Club of Rome“ vor den „Grenzen des Wachstums“ gewarnt, deren Überschreiten jetzt sichtbar wurde.

Auf der Mitteltafel im geschlossenen Zustand zeigt uns der Maler den Blick vom Feldberg ins Wiesental. Die Landschaft ist vom Waldsterben gezeichnet. Ein hölzernes Wegkreuz steht wie ein Mahnmal über dem Tal. Der Wegweiser markiert den Ort und stellt zugleich die Frage: In welche Richtung wollen wir weiter gehen? Die Innentafeln zeigen die zerstörte Stadt. Kinder kennen Tiere und Pflanzen nur noch von Bildtafeln. Die Natur ist vergiftet.

Der ehemalige Paradiesgarten der Kindheit ist zur lebensbedrohenden Umwelt geworden. Die Sonne hat ihren güldenen Schein verloren und der Turm des Freiburger Münsters starrt wie ein Gerippe in den verpesteten Himmel.

Gilt die Zusage des Noah unter dem Regenbogen „Solange die Erde steht soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht. “ noch?

Im Sommer 2020 nach dem ersten Corona-Lockdown machte mich Gerda Arzet auf ein Detail auf dem Altar aufmerksam, das ich vorher nicht gesehen hatte: Einige Kinder auf der Mitteltafel tragen einen Mund-Nasen-Schutz! Wie weit hat der Maler Helmut Lingg vorausgeschaut! Das Virus als Folge unseres Umgangs mit der Schöpfung.

Wer mehr über den Maler und den Altar wissen will, findet Informationen auf: https://www.helmut-lingg.de/VerlorenesParadies.php

Eckhart Marggraf

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