Konfirmanden machen Spuren sichtbar – Wo jüdische Mitbürger ihre Wohnung hatten

(StS) Vor der Karwoche schwärmten Grötzinger Konfirmanden einmal mehr in besonderer Mission im Malerdorf aus. Sie machten Spuren sichtbar, die nie verblassen sollen. 18 junge Menschen polierten eifrig das Messing von neun „Stolpersteinen“. Die waren im Dezember 2012 zur Erinnerung an das Schicksal jüdischer Mitbürger verlegt worden, jeweils im Gehweg vor den Häusern, in denen diese ihre letzte freiwillig gewählte Wohnstätte hatten.

Dr. Peter Güß erinnerte zuvor bei der Gedenktafel am ehemaligen Haus Sinauer an ermordete Grötzinger Juden, die Familien Palm, Traub, Weil und Sinauer, sowie deren Stellung im Dorf an der Pfinz. Begleitet von Pfarrer Markus Wittig, Diakonin Ulrike Aydt und Autoren des „Gedenkuch für die Grötzinger Juden“ machten sich die Konfirmanden auf den Weg in die Niddastraße, zur Schulteiß-Kiefer-Straße, der Friedrichstraße und in die Bruchwaldstraße. Dr. Peter Güß führte ein weiteres Grüppchen über den 1905 angelegten jüdischen Friedhof.

Stolpersteine
Stolpersteine

Ruth Palm ist die einzige noch lebende der Deportierten Grötzinger. Ist es Fügung, dass eine Gruppe auf dem Gang in die Bruchwaldstraße Ruths Schulkameradin begegnet? Gerade eben hat Lilli Bangert mit ihrer Freundin in den USA korrespondiert. „Mit dem letzten Schiff der Quaker konnte Ruth aus Marseille entkommen“, berichtet die Grötzingerin vom Mädchen, das mit ihr die Schulbank drückte, bis die Nazis ihr das verboten. Und sie fügt hinzu, was erschüttert: „Ihre Eltern hat sie nie wieder gesehen!“
Zum Abschluss trafen sich alle an der Stele, dem Ort der ehemaligen Synagoge und der Wohnstätte des Gemeindedieners und Vorsängers Leopold Traub „Wenn Brüder einträchtig beieinander wohnen, ist es wohl“, stand in Hebräisch auf einer Marmortafel, welche an der Synagoge angebracht war. Sie wurde am 10. Oktober 1938, dem Tag nach der „Reichspogromnacht“ vom nationalsozialistischen Mob zerschlagen, später auch die Synagoge dem Erdboden gleich gemacht. Schon 1933 war der Name „Synagogenstraße“ getilgt und „Krumme Straße“ eingeführt worden. Zur Vernichtung der Menschen, deren Gotteshaus dort stand und die in Grötzingen zu Hause waren, war es dann kein weiter Weg mehr.
Die jungen Christen sprachen an der Stele das Gebet, welches schon dem Juden Jesus geläufig war: Das Vaterunser.

Stolpersteine
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