Kirchentag 2021!

Mareike Feuchter wurde am August 23, 2020 in einem Gottesdienst in unserer Kirche zu ihrem Dienst beim Deutschen Evangelischen Kirchentag zur Vorbereitung des diesjährigen ökumenischen Kirchentags gesegnet und entsandt. Hier berichtet sie von ihrer Arbeit und ihrem Leben in Frankfurt:

„Riesige Menschenmassen, Live-Konzerte und Gottesdienste, Gespräche mit Fremden, Gemeinsames Singen. Das waren meine Erwartungen an den 3. Ökumenischen Kirchentag noch vor einigen Monaten. Und mein Wunsch war es einen Teil dazu beizutragen, dass all das ermöglicht werden kann…“

Liebe alle,

ich bin Mareike, 18 Jahre, und mache seit September einen Bundesfreiwilligendienst beim 3. Ökumenischen Kirchentag in Frankfurt am Main. Dafür bin ich in eine WG mit anderen BFDlern gezogen und habe einen ganz neuen Lebensabschnitt begonnen. In diesem Beitrag möchte ich davon berichten, was ich den vergangenen Monaten erlebt habe. Schonmal vorneweg: Es war wirklich einiges und ich hoffe die wichtigsten Dinge hier gut zusammenfassen zu können.

Angefangen hat alles in einem alten, verstaubten Haus mit altmodischen Glitzer-Tapeten und einer wirklich sehr hässlichen 50er-Jahre-Wohnzimmerlampe. Besonders einladend und wohnlich hört sich das vielleicht nicht an, aber mit etwas Arbeit ließ sich so einiges machen. Also wurden alle Wände weiß gestrichen und die Betten und Möbel von acht jungen Menschen in den Zimmern verteilt. Mit Hilfe von ein bisschen Deko sowie den neuen Bewohner*innen, die stets durch das ganze Haus wuseln, wurde eine richtig gemütliche Heimat geschaffen. Lediglich die Lampe im Wohnzimmer erinnert noch an die Mode der Vergangenheit, aber irgendwie gehört sie einfach dazu.

Ich habe nun schon angedeutet, dass ich mich wirklich sehr wohl in meiner WG fühle, die ausschließlich aus Kirchentags-Bufdis besteht. Man kann uns als bunte und aufgeweckte Truppe bezeichnen, bei der es stets etwas zu lachen gibt. Mit so vielen Gleichaltrigen zusammen zu wohnen ist ohnehin etwas außergewöhnliches. In unserem Fall kommt noch dazu, dass wir uns genau in derselben Lebenslage befinden: Wir sind zusammen eingezogen, wir arbeiten auf dasselbe Ziel hin und wir werden auch wieder zusammen ausziehen. Umstände, die definitiv zusammenschweißen.

Etwa 10 Gehminuten von unserem Haus entfernt leben noch zehn weitere Menschen unserer Art auf zwei WGs verteilt. Insgesamt gibt es also 18 BFDler beim ÖKT, was zugegebenermaßen ein wenig an eine Schulklasse erinnert. Schon in unserer dritten Woche sind wir alle gemeinsam auf Lagerinventur gefahren und haben eine Woche lang sämtliche Gegenstände vom ÖKT gezählt (bis hin zum tennisschlägergroßen Schneebesen war alles dabei). Das war ein unvergessliches Erlebnis.

In den ersten beiden Monaten haben wir uns auch an den Wochenenden oft getroffen und somit viel Zeit gemeinsam verbracht. Allerdings ist das aufgrund der Corona-Beschränkungen inzwischen nicht mehr möglich, was sehr schade ist. Trotzdem weiß ich mich in meiner Situation glücklich zu schätzen und dafür, dass ich trotz einer Pandemie nicht auf analoge Spielenachmittage, Filmeabende und Kochen mit Freunden verzichten muss, bin ich sehr dankbar.

Langweilig war mir in den vergangenen Monaten jedenfalls kein einziges Mal; denn in der WG ist immer was los: Von Kuchen backen, Radtouren machen und zusammen Häkeln über Wandern im Schnee und Mottoabenden mit Verkleidungen bis hin zum Versorgen unserer WG-Meerschweinchen haben wir schon so einiges unternommen. Manchmal bin ich auch den ganzen Abend in der Küche einfach um nach dem Essen noch mit den anderen zu reden. Jetzt, wo der Frühling beginnt, verbringen wir auch wieder viel Zeit im Garten und haben bereits die Grillsaison eröffnet. Wir Bufdis sind übrigens auf Instagram aktiv. Falls ihr also mehr über uns erfahren wollt, findet man uns unter dem Namen @bufdis.20.21 😉

Was ist denn nun aber mit dem ÖKT? Womit beschäftige ich mich auf der Arbeit und welchen Einfluss hat Corona?

Nun, es hat sich einiges verändert in den vergangenen Monaten. Gestartet habe ich meine Arbeit im September mit der Annahme, der ÖKT würde analog in Frankfurt stattfinden. Ich bin Teil der Programmabteilung und kümmere mich um Kulturveranstaltungen. Neben dem Kontakt zu Mitwirkenden standen Kirchenbesichtigungen und die sogenannte Verortung auf meinem Tagesplan. Das heißt ich habe geplant, an welchem Ort und zu welcher Uhrzeit das entsprechende Programm stattfinden sollte.

In der Geschäftsstelle des ÖKT ist eine enge Zusammenarbeit miteinander üblich. Es gibt viele Videokonferenzen mit Kolleg*innen, bei denen auch mal Zeit für private Gespräche bleibt. Von Tag 1 an wurden wir Bufdis sehr nett in das doch recht junge Kollegium aufgenommen. Die Atmosphäre auf der Arbeit ist super und mir ist direkt aufgefallen, dass Offenheit und Gleichberechtigung eine große Rolle spielen.  Hier duzen sich alle und auf Hierarchien wird keinen großen Wert gelegt. Somit werde ich als BFDlerin auch richtig gut eingebunden.

Ein sehr präsentes Thema war bei den Vorbereitungen von Anfang an die Corona-Pandemie. Es wurden Hygienekonzepte aufgestellt und gleichzeitig wurde stets gehofft, dass sich die Infektionslage bis Mai 2021 verbessern würde. Letzten Endes musste im Dezember dann aber doch die Entscheidung getroffen werden die Form des ÖKTs grundlegend zu verändern. „Digital und dezentral“ lautet jetzt die Devise. Somit war ein Großteil meiner Arbeit von fast vier Monaten völlig umsonst, was nicht ganz leicht für mich war. Vor allem die Ungewissheit wie es weiter gehen würde, hat mich in dieser Zeit sehr beschäftigt. Hinzu kam natürlich auch die Enttäuschung darüber, dass es diesen ÖKT, wie ich ihn mir gewünscht hatte, nicht geben würde.

In einer Pandemie lernt man vor allem eins: Anpassungsfähigkeit. Meinen Kolleg*innen und mir wurde das deutlich gezeigt; denn wir mussten uns immer wieder auf neue Situationen und Veränderungen einstellen, sind dabei aber stets optimistisch geblieben. Mittlerweile bin ich wieder voller Tatendrang auch die digitale Version des ÖKTs  so schön wie möglich zu gestalten. Momentan helfe ich dabei das Oratorium EINS – eine Kulturveranstaltung – zu organisieren. Ende April wird es eine fünftägige Vorabproduktion davon geben, bei der ich dabei sein darf und worauf ich schon sehr gespannt bin. Außerdem arbeite in einer Gruppe mit vier anderen BFDlern an einem Videoprojekt. Wir drehen einen Teaser für den digitalen ÖKT, was mir viel Spaß macht, weil die Arbeit daran sehr kreativ und abwechslungsreich ist. Somit war mein Highlight der letzten Wochen mit der Kamera durch Frankfurt zu fahren und verschiedenste Filmaufnahmen zu machen.

Auch an den Vorbereitungen für das thematische Programm bin ich beteiligt. Zum Beispiel bin ich im Telefon- und Mailkontakt mit Menschen, die in den beiden Bereichen Klimakrise und Wirtschaft an Podiumsdiskussionen oder Workshops mitwirken, ich kümmere mich um Verträge mit Musikgruppen und arbeite in unserer Datenbank. Insgesamt empfinde ich meine Arbeit als sehr abwechslungsreich und habe auch viel Spaß daran.

Inzwischen sind es nur noch 6 Wochen bis zur Durchführung des 3. Ökumenischen Kirchentags und die Planungen gehen eindeutig voran. Erst vor ein paar Tagen wurde das Programm sowie die ÖKT App veröffentlicht, sodass Teilnehmende bereits einen Vorgeschmack auf den ÖKT bekommen können. Auf www.oekt.de/programmuebersicht könnt ihr durch die verschiedenen Veranstaltungen stöbern, die es im Mai digital auf der Website geben wird. Bis dahin gibt es natürlich noch einiges zu tun und gleichzeitig steigt die Vorfreude immer mehr an.

Wenn ich in die Zukunft blicke, dann freue ich mich auf weitere Monate voller schöner Erlebnisse mit meinen Mitbewohner*innen, auf die Arbeit, die noch kommt und vor allem natürlich auf den Ökumenischen Kirchentag vom 13. bis zum 16. Mai. Bis dahin: Schaut hin und seid dabei!

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