Jüdisches Leben in Deutschland

Am vergangenen Sonntag wurde in der Kölner Synagoge ein Gedenkjahr „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ durch den Bundespräsidenten eröffnet. Dabei soll versucht werden über das Gedenken an die Shoa hinaus auf das in Deutschland bestehende jüdische Leben heute aufmerksam zu machen. In Grötzingen gedenken wir jährlich am Abend des 9. November an die Pogromnacht im Jahre 1938, in der auch die Grötzinger Synagoge zerstört wurde. „Stolpersteine“ erinnern an die Orte, an denen jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger bis zur Deportation 1940 unter uns lebten.

Ein kleines Zeichen jüdischen Lebens hatte dieses Datum überlebt. Wer in die Bäckerei in der Friedrichstrasse kam und um „Berches“ bat, bekam ein zum Zopf geflochtenes Brötchen aus Weißmehl. Nur wenige wussten, woher der Name kam. „Baruch“ ist das hebräische Wort für „Segen“. „Barches“ oder „Berches“ ist die jiddische Sprachform. Es handelte sich also um das gesegnete Brot, das am Sabbath-Abend auf dem Tisch liegt neben dem Becher Wein, die beide zum Sabbath-Beginn gesegnet und gereicht werden. Brot und Wein beim Abendmahl erinnern an diesen Brauch. Mit dem Ende der Bäckerei in der Friedrichstrasse scheint auch die Bezeichnung „Berches“ in Grötzingen zu verschwinden.

Wäre es nicht schön, wenn die Grötzinger Bäckereien dafür gewonnen werden könnten, dieses zopfförmige Brötchen wieder unter dem Namen „Berches“ zu verkaufen? Damit würde ein Stück jüdischen Lebens mitten in Grötzingen in Erinnerung gerufen und wieder lebendig gemacht werden.

Eckhart Marggraf

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