Heiraten in Zeiten von Corona: Erwarten wir getrost, was kommen mag…

Ende 2019 haben wir uns verlobt. Wir wollten uns trauen, Ja zueinander sagen, ein gemeinsames Leben wagen, getrost erwarten, was kommen mag. Ein nettes kleines Kirchlein suchten wir uns aus, in das unsere Festgemeinde genau hinein passen sollte. Keine leeren Reihen sollte es geben, keinen spärlichen Gesang wollten wir, sondern einen schönen, vollen Klang. Frühzeitig wurden die Kirche und die Location reserviert, frühzeitig haben wir uns mit unserer Pfarrerin abgesprochen. Wir wollten ganz in Ruhe planen und dann im Sommer 2021 ein schönes Fest im Kreise unserer Familie und Freunde feiern.

Und dann kam im Februar 2020 Corona. Erst blieben wir gelassen. Ach, bis zum Sommer 2021 ist es doch noch lange hin. Ach, wie gut, dass wir es nicht so eilig hatten und unser Fest nicht für 2020 anberaumt hatten. Ach, wie Leid taten uns diverse Freunde und Bekannte, die ihre Hochzeiten verschieben oder komplett neu planen mussten. Wir vertrauten darauf, dass schon alles gut werden würde. Das Jahr verging, und eigentlich hatten wir ein gutes Jahr. Natürlich gab es Einschränkungen, doch es gab auch positive Aspekte: Wir konnten von zu Hause arbeiten, mussten nicht so viel Zeit in öffentlichen Verkehrsmitteln verbringen, hatten mehr gemeinsame Zeit denn je und haben viele nette Menschen in der unmittelbaren Nachbarschaft kennengelernt. Lange ließen wir unsere Planungen einfach ruhen.

Vor wenigen Wochen wollten wir nun entscheiden: Ja, oder doch nicht Ja? Wagen wir es, trauen wir uns? Können wir es verantworten, Freunde und Familie im Sommer dieses Jahres zu einem Fest einzuladen? Wird unsere Pfarrerin aus dem nahen Elsass über die Grenze kommen dürfen? Wird unsere gute Freundin aus Algerien einen Flug und sogar ein Visum bekommen können?

Voraussichtlich werden nicht einmal ein Fünftel der Gäste, die wir gerne eingeladen hätten, in die Kirche passen. Die Orgel in unserem netten kleinen Kirchlein wird derzeit renoviert, doch da wir diverse Musiker im Freundes- und Familienkreis haben, störte uns das nicht. Nun werden unsere lieben Musiker voraussichtlich keinen Platz in der Kirche bekommen, es sei denn wir verzichten auf die Anwesenheit von Trauzeugen, Omas und Eltern, was irgendwie auch keine schöne Vorstellung ist.

Wir wissen nicht, was die Zukunft bringt – nicht einmal, unter welchen Bedingungen unsere Trauung ablaufen wird – doch wir erwarten getrost, was kommen mag. Und eigentlich ist das doch eigentlich auch ein wesentlicher Punkt der Trauung, oder nicht?

Wir sagen Ja zueinander, wir möchten einander beistehen, füreinander da sein und getrost erwarten, was kommen mag. Es wird gute Zeiten geben und herausfordernde Momente, mal wird die Sonne hinter den Wolken hervor schauen, mal wird sie sich hinter hohen Berggipfeln verstecken. Und doch wird es gut sein, einander verlässlicher Wegbegleiter zu sein, in sanften Tälern ebenso wie im kargen Gestein!

(Der Autor, ein Mitglied unserer Gemeinde, hat darum gebeten, anonym zu bleiben.)

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