Durlach, 13. Juli 1871

Peter Grüß schreibt:

zum aktuellen Thema „Jüdisches Leben in Deutschland“ passt, so meine
ich, eine Nachricht, die ich vor kurzem Im Durlacher Wochenblatt von
1871 fand. Es ist ein seltenes Zeugnis davon, wie jüdisches leben in
Grötzingen vor 150 Jahren aussah.

Durlach, 13. Juli 1871. Heute nahm der israelitische Lehrer
Rothschild in Grötzingen Abschied von seiner Gemeinde, um nach Worms
über zu siedeln. Schon das Lebewohl in der Synagoge soll rührendgewesen
sein; wirklich ergreifend aber der Ausdruck der Liebe und Dankbarkeit in
dem kleinen Bankett im Gasthaus zum Ochsen, bei welchem sich nicht nur
israelitische, sondern auch christliche Bürger und Lehrer von
Grötzingen und der Umgegend einfanden. Ein Senior der dortigen
israelitischen Gemeinde hielt eine tiefbewegte Ansprache, welche von
Herrn Rothschild und anderseits ebenso herzlich erwiedert wurde. Der
israelitische Singverein erhöhte dabei die Feier durch Vortrag passender
Lieder, und man sagt, der abgehende Lehrer sei auch im Stillen noch von
wohlhabenden israel. Familien besonders reichlich beschenkt worden. –

So ehren Grötzinger Israeliten einen braven Lehrer!“

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