Sprache

Corona, Lock-down, Abstandsregeln und das damit verbundene Fehlen von Gesprächspartnern haben mich dazu bewogen schriftlich niederzulegen, was mich seit langem beschäftigt: Der Gebrauch  unserer Sprache. Theodor Fontane wird der Satz zugeschrieben:

„Das menschlichste, was wir haben, ist doch die Sprache“.

Was hat Fontane wohl damit gemeint? Wollte er damit sagen, wir Menschen sind schwach und machen Fehler, und so gehen wir auch mit der Sprache um? Oder meinte er, die Sprache, die uns als einziges Lebewesen befähigt, unsere Gedanken in Worte zu fassen und sie anderen mitzuteilen und uns so  zu verständigen – anders etwa als Tiere , die sich zwar auch durch Laute verständigen können, sich dabei aber auf wenige Informationen beschränken, wie zB : wo bist Du, ich habe Hunger, du bist mein Feind – diese Sprache zeichnet den Menschen aus ? Wenn das so ist, müssen wir doch unsere Sprache als einen ganz besonderen Schatz hegen und pflegen und sorgsam mit ihr umgehen. Schafft sie doch Gemeinschaft und verbindet uns miteinander, gleichgültig, ob wir streiten oder unsere Einigkeit feststellen.

Aber würdigen wir so unsere Sprache?

In der letzten Zeit wird Sprache häufig diskutiert im Zusammenhang mit der Übernahme von Anglizismen – die oft auch noch falsch übernommen werden – und bei dem Gebrauch von Gendersprache. Darüber möchte ich jetzt nicht sprechen, obwohl darüber sehr viel zu sagen wäre. Natürlich verändert Sprache sich, sonst sprächen wir ja noch althochdeutsch. Sie muss sich auch verändern, weil die Veränderung unserer Lebensumstände sprachlich erfasst werden  muss.

Aber trotzdem bleibt unsere Sprache doch gewissen Regeln unterworfen und kann nicht , um verständlich zu bleiben, in das Gegenteil gewandelt werden. Das passiert aber nicht nur in unserer Alltagssprache sondern auch zB in Zeitungen, wohl bedingt durch Schreibprogramme, die nicht überprüft werden und sogar in Büchern, also Literatur , wenn es sich nicht um die Wiedergabe von Alltagssprache handelt.

Hier einige Beispiele:

  • Der ständig falsche Gebrauch von „scheinbar“ und „anscheinend“. „Scheinbar“ bedeutet: es sieht so aus als ob , aber wir wissen, daß es anders ist  . . . „anscheinend“ dagegen heißt, es sieht so aus, als ob, aber wir wissen es nicht …. Es besteht also ein großer Unterschied zwischen beiden Begriffen.
  • Der falsche Gebrauch von „dasselbe“ und „das gleiche“. Dasselbe betont die Identität, das gleiche bedeutet, es sieht gleich aus, ist aber nicht identisch. Deshalb belustigt es mich immer wieder, wenn die Bundesbahn die Abfahrt eines Zuges auf dem gleichen Bahnsteig gegenüber ansagt. Da darf man dann doch wohl fragen: ja, wo denn nun?
  • Zu Verwirrung führt auch die falsche Groß- und Kleinschreibung bei dem Personalpronomen „sie“. „Sie“ lügen ist etwas anderes als „sie“ lügen. Nicht immer ergibt der Zusammenhang , was gemeint ist.
  • Unschön ist auch der ständig falsche Gebrauch von „als“ und „wie“ beim Vergleich. Ich kann mich noch erinnern, daß der sehr viel ältere Sohn unserer Nachbarn mir einhämmerte: „ ebenso wie – anders als . .!“ Das hat sich mir damals eingeprägt. Aber heute scheint es so, als ob „als“ im Vergleich verschwunden ist.
  • Ein weiterer Fehler, der mich sehr stört, vielleicht weil die saubere Unterscheidung für mich im Beruf sehr wichtig war, ist der Gebrauch des Konditionals in der indirekten Rede. Ein Beispiel: Er sagte , er sei Lehrer geworden und nicht: er sagte: er wäre   Lehrer geworden. Daran knüpft sich gleich eine Bedingung, etwa: wenn er nicht lieber gemalt hätte. Und „wäre“ heißt hier, dass er gerade nicht Lehrer ist.

Und nun noch einige Beispiele auf die ich gestoßen bin:

So hing vor der Zufahrt zu einem Privatparkplatz ein Schild: „Das Befahren fremder Autos ist verboten“  Das fand ich sehr tröstlich.

Oder:

Auf den Sammelcontainern für alte Schuhe in Grötzingen steht: „Nur tragfähige Schuhe einwerfen“. Gemeint sind natürlich „tragbare“ Schuhe. Eine Brücke ist – hoffentlich – tragfähig, Schuhe halten natürlich auch das Gewicht des Trägers aus, aber entscheidend für das Sammeln von alten Schuhen ist, ob sie noch getragen werden können, also noch tragbar sind.

Oder:

Ganz besonders grotesk fand ich die Mitteilung in einer Zeitung, daß jemand mit der Richtigstellung falscher Verleumdungen befaßt sei. Darüber kann man lange nachdenken: Verleumdungen sind immer unwahr, wenn sie falsch sind, sind es Wahrheiten. Aber wie stellt man Wahrheiten richtig?

Ich denke, es ist uns nicht mehr gegenwärtig, welch kostbarer Schatz die Sprache ist. Wie Fontane es sagte: das menschlichste ,was wir haben.

-Elke Heil

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Auferstehungs-Eier!

Zu Ostern ist das eine beliebte Aktivität in Kirchen in Amerika, und auch in der United Church of Christ (UCC) weit verbreitet. Auch, wenn wir nicht zusammen-kommen können, wollen wir die Ostergeschichte auf kreative Weise mit den Kindern teilen! Es ist einfach und macht Spaß!

Die Symbole, die Ihr an verschiedenen Stationen rund um die Kirche (04.04.2021) (oder um Ihr eigenes Haus und Ihren Garten) erhaltet, helfen dabei, die Ostergeschichte zu erzählen. Wir beginnen mit Jesus, der seinen Jüngern die Füße wäscht, und wir enden mit der Auferstehung Christi. Jedes Symbol wird Euch helfen, Euch an einen bestimmten und wichtigen Teil der Ostergeschichte zu erinnern. Ihr könnt  auch Eure Bibel nehmen und mehr über die Geschichte erfahren. Vielleicht könnt Ihr jemanden, der älter ist , nach einem Symbol fragen? Vielleicht fallen Euch weitere Symbole ein, die Ihr Eurem Auferstehungs-Eierkarton hinzufügen könnt? Wir laden Euch ein, Euren Eierkarton auch zu gestalten und zu dekorieren, um mehr über die Ostergeschichte zu erzählen.

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Ostern vor einem Jahr

Der erste Lockdown war gerade erst verhängt. Die Verunsicherung im Umgang damit war groß. Das gemeinsame Feiern von Gottesdiensten schien in weite Ferne gerückt. Wie würde Ostern 2020 aussehen. Der Gottesdienst am Ostermorgen auf dem Grötzinger Friedhof war ohnehin abgesagt. In dieser Situation nahmen wir uns vor, alleine am Ostermorgen in aller Frühe aufzubrechen und auf dem Friedhof nach dem Auferstandenen zu suchen.

Als wir vor die Haustür traten, hörten wir überrascht Trompetenklänge von der Häuserzeile über uns am Berg. Osterchoräle klangen über das ganze Tal von einer einsamen unermüdlichen Trompetenstimme. Allein, wir kannten keinen Bläser in unseren Nachbarhäusern, von dem die Töne kommen könnten. Bis wir merkten, dass es nur der Widerhall war, der aus einem fernen Garten in der Siedlung stammen konnte. Sofort war klar: das kann nur Ulrich Krieger sein, der uns am frühen Morgen die Botschaft zurief: „Christ ist erstanden, er ist wahrhaftig auferstanden!“

Während wir an der Pfinz entlang gingen, verstummte die Melodie. Aber je näher wir zum Friedhof kamen und schließlich auf der Lindenallee allmählich den Friedhof erreichten, ertönte erneut eine Trompete bis wir das Friedhofstor durchschritten hatten. Eine Familie eines unserer Bläser aus dem Posaunenchor hatte sich am Grab ihrer Familie eingefunden, um Trost in der Trauer zu finden und auch anderen Trost weiterzugeben.

Solchen Trost haben wir ganz besonders nötig und vor allem solche Trostspender, die an die Stelle von Ulrich Krieger treten und sein Amt weiterführen.

Eckhart Marggraf

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Wir wünschen Ihnen und ihren Angehörigen gesegnete Kar- und Ostertage. Bleiben wir verbunden und solidarisch – untereinander und mit allen Menschen.

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Die Künstlerin bei der Arbeit – die neue Osterkerze!

„Viele Gedanken gehen der Gestaltung voraus bis ich einen Plan habe, wie die Osterkerze aussehen könnte. Alpha u Omega, Anfang und Ende sollten auf der Osterkerze erscheinen. Dann habe ich überlegt, dass ein Symbol zu unserem Jahresthema „Bewahrung der Schöpfung“ schön wäre. So habe ich mich entschlossen den grünenden Zweig und die Sonne als Symbol allen Lebens zu wählen.“

Gerda Arzet

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Der Tod in Zeiten von Corona – eine Collage

Dienstag, 21. April 2020, am späten Abend. Markus Lanz moderiert im ZDF die x-te Talkrunde zur Corona-Krise. Im Studio der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil, der Virologe Henrik Streeck aus Bonn sowie die Schriftstellerin und Philosophin Thea Dorn. Zunächst dreht sich das Gespräch um Schutzmasken, um neueste Studien zu Covid-19 und um Prognosen, wie man der Pandemie und der Folgen der Corona-Krise Herr werden kann. Schließlich kommt der Moderator auf Thea Dorns vielbeachteten Essay über die Einsamkeit der Sterbenden in den Zeiten von Corona zu sprechen, der in der Zeit vom 8. April erschienen war.

Das Gespräch entwickelt sich unvermutet zu einer Sternstunde im üblichen Talkshowbetrieb. Woraus können Menschen in der Corona-Krise noch Trost schöpfen, zumal die Sterbenden und ihre Angehörigen? Genau das ist ja die berühmte Eingangsfrage des Heidelberger Katechismus, den im Studio selbstverständlich niemand auf dem Schirm hat: „Was ist dein einziger Trost im Leben und im Sterben?“ Thea Dorn bekennt offenherzig, sie sei kein gläubiger Mensch. Sie gehöre eher zu den „strukturell trostlosen Menschen“. Die Autorin legt nach: „Wir sind eine vom Glauben abgefallene Gesellschaft“, die nicht mehr an ein Paradies oder das ewige Leben glaubt.

Aber dann kommt es: Frau Dorn erzählt, wie sie in Hamburg auf dem Weg zum Studio an einer Kirche vorbeigekommen sei. Draußen hing ein großes Transparent mit einem Zitat aus einem der Paulusbriefe. „Und ich“, so die Philosophin, „hätte nicht gedacht, dass ich mal in einem Fernsehstudio sitzen würde und sagen werde: Der klügste Satz, den ich heute gehört habe, war ein Bibelzitat von Paulus! Und zwar stand da drauf: ‚Gott hat uns nicht den Geist der Furcht gegeben, sondern der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit‘.“ Der Satz habe sie „in einer gewissen Weise umgehauen, weil ich den Eindruck habe, wir lassen uns im Augenblick massiv vom Geist der Furcht leiten und nicht vom Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit. Und ich glaube, dass das nicht gut ist, wenn die Gesellschaft anfängt, sich vom Geist der Furcht bestimmen zu lassen.“

Worte nicht etwa eines Bischofs oder einer Theologieprofessorin, sondern einer nicht gläubigen und „eher strukturell trostlosen“ Schriftstellerin.“ (Ulrich Körtner, Zeitzeichen 5-2020) Dieselbe Autorin hat gerade ein Buch unter dem Titel „Trost“ veröffentlich. In einem Interview berichtet sie in diesem Zusammenhang:

„Als meine Mutter 1908 an Krebs gestorben ist, war ich die letzten Tage und Stunden bei ihr. Als sie starb, konnte ich sie halten. Bis zu meinem Ende werde ich hoffen, dass sie dies als tröstlich empfunden hat. Wir rücken dem Tod mit hochtechnologisierter Medizin auf den Pelz, aber was wir mindestens ebenso dringend brauchen, sind Trost und körperliche Nähe. Erst in jener Nacht habe ich wirklich begriffen, was es bedeutet sterblich zu sein. Seither frage ich mich, wie es mir gelingen kann, mein Leben mit diesem Sterblichkeitsgefühl zu versöhnen, statt – wie es der Zeitgeist will – panisch vom Tod wegzuleben.“

SZ 6./7.2.2021, S.52

„Das eigentliche ethische Problem liegt aber darin, dass wir es trotz hoch entwickelter Medizin und ungeheuren moralischen Ansprüchen immer noch nicht geschafft haben, ein gesellschaftlich reifes und reflektiertes Verhältnis zu Krankheit und Sterben an sich zu entwickeln…

„Wir müssen als Gesellschaft wieder lernen, dass Krankheit und Sterben Teile unseres Lebens sind, und Verantwortung auch dafür tragen. Ansonsten wird das Leiden nur auf die nächste Generation übertragen und in anderer Form fortgesetzt.“ (Simon Kannenberg, Die Generationenkrise, in: IPG – Internationale Politik und Gesellschaft, IPG-Journal 25.01.2021)

Die Flucht zahlreicher heutiger Menschen in esoterische Tröstungsversuche zeigt, wie sehr gerade im Umgang mit dem Tod etwas fehlt, wenn die kollektiven Sinnkonstruktionen der traditionellen Religion wegbrechen. Die Aufgabe für eine Religiosität im 21. Jahrhundert besteht deshalb wohl auch darin, einen Weg zu finden, im Angesicht des Todes bei Trost zu bleiben.“ Stefan Seidel, Nach der Leere. Versuch über die Religiosität der Zukunft, München 2020: S. 28ff)

-Eckhart Marggraf

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Morgen – Donnerstag! Ein virtuelles Singangebot

Ein virtuelles Singangebot für Menschen in der ganzen Landeskirche: Wir singen zusammen bekannte und neue Lieder aus den beiden Gesangbüchern und wissen uns dadurch verbunden. Zum Aufwärmen beginnen wir mit ein paar Übungen zum Aktivieren der Stimme.

Mitmachen kann jede(r), die / der gerne singt. 

Das läuft so ab: Sie schalten sich mit dem Link  5-10 Minuten vorher dazu, schalten dann das Mikrophon aus und singen zu Hause nach Ansage des Liedes kräftig mit. Neue Lieder erschließen wir uns gemeinsam. Eine Anmeldung ist nicht notwendig.

Ich freue mich darauf, mit Ihnen zu singen! Achim Plagge, Akademie für Kirchenmusik

Donnerstag Abend, 19.00 – 19.45 Uhr (25. März)

Zoom-Meeting beitreten:

https://us02web.zoom.us/j/81107053942?pwd=NkNZWjFWQVorbTFlNWs2T1VwUm9tZz09

Meeting-ID: 811 0705 3942

Kenncode: 674411

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Worte und Texte zum Thema Rassismus in der Begegnung mit der universellen Sprache der Musik

Im Rahmen der Internationalen Wochen gegen Rassismus – Karlsruhe wurde in unserer Kirche ein Gottesdienst aufgenommen, der im Internet abrufbar ist:

Neben meditativer Musik des Musikerduos Entrevue (Michael Schwahn (Kontra-Altklarinette, Tenor- und Bass-Saxophon) und Helga Betsarkis (Akkordeon)) regt Reverend Eleanor B. McCormick zum Nachdenken über den eigenen Rassismus an. Neben Gebeten und Reflexionen berichten zwei Grötzinger Konfirmandinnen von ihren eigenen Erfahrungen mit Rassismus in unserer Stadt.

Hier können Sie mehr erfahren und weitere Online-Events besuchen: https://iwgr-ka.de/

Er hat mich trotzdem noch sehr böse angeschaut und nicht wirklich respektvoll mit mir geredet. Als er sich umdrehte und weiterging gab er noch leise einen Kommentar ab: Immer das gleiche mit denen, sagte er…Warum es noch Menschen gibt, die andere dafür verurteilen wo sie herkommen, an was sie glauben oder wie sie Aussehen ist mir ein Rätsel. Genau deshalb ist es wichtig Aufmerksamkeit auf das Thema zu lenken. Rassismus existiert noch und muss aufhören. Auch in Deutschland. Auch Bei Uns.

Thandiwe Wagner

Die anderen Menschen nichts gesagt haben, die ein Auge zugedrückt haben, wenn es um Rassismus im eigenen Land geht. Genau deshalb hat Rassismus noch eine Chance.

Sofia Papadopoulos

Meine eigene Hautfarbe schützt mich vor rassistischen Mikroaggressionen, egal ob ich in den USA oder hier in Karlsruhe bin. Meine Schwestern und Brüder, die eine andere Hautfarbe als ich haben, müssen solche Mikroaggressionen jeden Tag ertragen.

Reverend Eleanor B. McCormick

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KU in Corona? Fragen an Konfirmandinnen und Konfirmanden

Derzeit finden zwei Klassen des Konfirmandenunterrichts statt. Wir bereiten uns auf die Konfirmation am 8/9. Mai sowie am 17/18. Juli dieses Jahres vor! Um unserer Pfarrgemeinde die Möglichkeit zu geben, direkt von den Konfirmandinnen und Konfirmanden zu hören, hat Rev. Eleanor McCormick fünf von ihnen zu ihren Erfahrungen mit dem Konfirmandenunterricht und zu ihren Eindrücken während der Corona-Pandemie interviewt. Dies ist eine Zusammenfassung aller  Gespräche. (Um es den Konfis zu ermöglichen, frei und ehrlich zu antworten, sind den Gesprächen keine Namen zugeordnet.) 

1.  Könntest Du ein wenig schildern, wie der Konfirmandenunterricht (KU) unter Corona-Bedingungen gegenwärtig abläuft? 

  • “Wir treffen uns immer alle paar Wochen in einem Zoom-Meeting und bearbeiten dann, fast genauso wie im Präsenz-KU, unser Thema.” 
  • “Also KU online ist auf jeden Fall anders als der normale KU, weil man beim KU mehr Sachen praktisch gemacht hat. Jetzt, im KU online, lesen wir eher oder tragen nur Sachen zusammen.”

2.       Ist der KU anders als der Digitale Schulunterricht? 

  • “Ja, etwas. Im Schulunterricht schalten wir unsere Kameras nicht an und müssen uns immer melden, wenn wir etwas sagen wollen. Beim KU ist es etwas „lockerer“ und man kann frei seine Eindrücke und Gedanken den anderen mitteilen.” 
  • “Der KU online ist nicht wirklich anders als der Schulunterricht außer, dass man beim Konfi die Kamera anmachen muss und in der Schule sind wir nie mehr als 45min am Stück online.”

3.  Was macht Dir dabei am meisten Spaß? 

  • “Mir macht es echt Spaß, über das Theologische zu sprechen und zu diskutieren. Es ist sehr interessant und durch die vielseitigen Aufgaben und Themen macht man sich oft Gedanken über etwas, über das man noch nie zuvor nachgedacht hat. Allerdings fehlt mir in der letzten  Zeit die Motivation. Durch die immer gleichen Tage, an denen man den ganzen Vormittag am PC sitzt, verliert dieser sehr an Abwechslung und wir an Motivation.” 
  • “Ich mag einige der praktischen Tools, die wir verwenden, wie das Whiteboard. Es ist auch schön, dass Herr Wittig immer die Fragen beantworten kann, die wir haben.”

4. Was fällt Dir schwer?

  • “Mich hat überrascht, dass der KU doch noch so gut weiterhin stattfindet und läuft. Aber natürlich fehlen mir sehr die wöchentlichen Treffen mit den anderen Konfis und mit meinen Freunden.” 
  • “Es ist schwer, zu 100 % still zu sitzen. Ich habe das Gefühl, dass ich zu viel sitzen muss. Die Kamera macht diese Schwierigkeit noch größer. Ich würde mich lieber bewegen und in einer normalen Präsenz Klasse scheint es mehr Gelegenheit zu geben, sich zu bewegen.”
  • “Mir fehlt, dass man sich nicht persönlich sieht und sich nicht so gut austauschen kann, aber ich war überrascht, dass der KU trotz Corona so gut klappt.”

5. Was hat Dich überrascht? Was fehlt Dir?

  • “Meine Eltern sind sehr daran interessiert, vom KU zu hören, aber ich bin wirklich kein großer Redner. Ich mag es nicht wirklich, so viel zu erzählen. Ich denke, es ist schön, dass sie interessiert sind.”
  • “Ich bin zur Zeit sehr zufrieden mit dem KU und finde ihn sehr viel besser als im ersten Lockdown, als wir alleine Aufgaben im Buch bearbeiten sollten.” 

6. Welche Erfahrungen machst Du bei den Gottesdiensten unter Corona-Bedingungen?

  • “Es fühlt sich genauso an, aber letzte Woche war mir in der Kirche kalt und es war schwer, still zu sitzen.”
  • “Ja… Es fühlt sich genauso an wie vor der Corona, aber jetzt mit Masken.”
  • “Ich war leider noch nicht bei einem Gottesdienst in der Corona- Zeit.”
  • “Eigentlich war ich vor Corona nicht im Gottesdienst, also weiss ich es nur aus der Konfizeit. Und da waren ja eigentlich immer die gleichen Bedingungen, außer das mit Maske oder ohne.”

7. Habt ihr eine Idee, die eure Freunde in die Kirche bringen könnte?

  • “Meine Freundin kommt freiwillig mit wenn ich sie darum bitte.”
  • “Ich denke, andere kommen nicht in die Kirche, weil sie nicht viel von Gott halten, und ich denke auch, dass sich daran nicht viel ändern wird, da man sie ja auch schlecht zwingen kann.”

8. Welche Erwartungen hattest Du an den KU? Wurden sie erfüllt oder haben sie sich gewandelt?

  • “Ich hatte die Erwartung, die Kirche besser kennenzulernen… zum Beispiel mal in den Kirchturm zu gehen. Ich habe die Kirche auch besser kennengelernt durch  zum Beispiel das Spiel, wo wir verschiedene Infos rauszufinden hatten, aber ich würde gerne noch den Kirchturm sehen.”
  • “Ich hatte eigentlich keine Erwartungen, aber ich hab nicht gedacht, dass es manchmal so Spaß macht.” 

9.  Welchen Eindruck hast Du von der Gemeinde erhalten?

  • “Sie scheint sehr nett zu sein!”
  • “Aus einem Interview, das ich mit einem Kirchenältesten geführt habe -einer Hausaufgabe für den Konfirmandenunterricht -, habe ich den Eindruck gewonnen, dass die Kirchengemeinde älter ist und wir jüngere Leute außerhalb der Klasse der Konfirmanden wie mich nicht sehen.”
  • “Nach dem zu urteilen, was ich bis jetzt mitbekommen habe, scheint die Gemeinde trotz der vielen Probleme positiv zu bleiben und zu versuchen, vor allem den alten Menschen etwas zu helfen.”
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Abschied nehmen in der Coronazeit – ein kleiner Einblick in die Beerdigungspraxis (Pfr. Markus Wittig)

Der Apostel Paulus schreibt im Römerbrief: „Ich bin zutiefst überzeugt: Nichts kann uns von der Liebe Gottes trennen – nicht der Tod und auch nicht das Leben.“ (Röm 8,38a Basisbibel) Dieses Bibelwort stelle ich voran, weil es für mich ein großer Trost ist, mit Paulus darauf zu vertrauen, dass wir aus der Liebe Gottes nicht herausfallen können, egal wie schief manches läuft im Leben.

Seit einem Jahr sind wir jetzt von dem Coronavirus betroffen und von den Maßnahmen eingeschränkt, die zum Schutz gegen das Virus erlassen worden sind. Die eingeschränkte Versammlungsfreiheit schlägt sich auch auf gottesdienstliche Feiern nieder, besonders auch auf Trauerfeiern. In der Trauerhalle auf dem Grötzinger Friedhof dürfen neben den Bediensteten des Friedhofs und dem/r leitenden Geistlichen nur 20 Personen Platz nehmen. Dadurch ist es meist nur dem engeren Kreis der Angehörigen möglich, an der Trauerfeier direkt teilzunehmen. Darüber hinaus können sich bis zu 100 Personen mit Abstand zueinander vor der Trauerhalle versammeln und die Trauerfeier wird über die Lautsprecher nach draußen übertragen.

Die Personenbeschränkung ist für manche trauernde Angehörige eine schwere Einschränkung, weil viele Menschen, die sie gerne dabei hätten, draußen bleiben müssen. Darüber hinaus ist zur Zeit der Gemeindegesang untersagt. Das befreiende gemeinsame Singen, in dem die Angehörigen auch Begleitung und Stützung durch die Trauergemeinde erleben können, fehlt so ganz. Schließlich ist so eine Trauerfeier, bei der man sich von einem/r Ehepartner/in, einem Elternteil oder anderen nahen Person verabschiedet, ein einmaliges Ereignis. Die Würdigung der verstorbenen Person ist da eingeschränkt, wo Menschen, die diese Person begleitet haben, nicht an der Trauerfeier teilnehmen können.  Auch das Beisammensein nach der Trauerfeier bei Kaffee und Kuchen ist durch die Schließung der Gaststätten und durch das Versammlungsverbot nicht möglich. Dadurch entfällt ein weiteres wichtiges Element im Trauerprozess, ein wichtiger Punkt des gemeinsamen Abschiednehmens und damit Mittragens der Trauer der betroffenen Angehörigen.

Für Menschen, die ihre Angehörige gerade in dieser Coronazeit zu Grabe tragen müssen, erschweren die äußeren Bedingungen ein angemessenes Abschiednehmen. Um so wichtiger ist es, dass diese Personen in ihrer Trauer gute Begleitung über Telefonate, Briefe oder andere Medien erfahren.

Und es bleibt die Überzeugung des Paulus, die auch wir für uns gewinnen können:

„Ich bin zutiefst überzeugt: Nichts kann uns von der Liebe Gottes trennen – nicht der Tod und auch nicht das Leben.“

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