Abschied nehmen in der Coronazeit – ein kleiner Einblick in die Beerdigungspraxis (Pfr. Markus Wittig)

Der Apostel Paulus schreibt im Römerbrief: „Ich bin zutiefst überzeugt: Nichts kann uns von der Liebe Gottes trennen – nicht der Tod und auch nicht das Leben.“ (Röm 8,38a Basisbibel) Dieses Bibelwort stelle ich voran, weil es für mich ein großer Trost ist, mit Paulus darauf zu vertrauen, dass wir aus der Liebe Gottes nicht herausfallen können, egal wie schief manches läuft im Leben.

Seit einem Jahr sind wir jetzt von dem Coronavirus betroffen und von den Maßnahmen eingeschränkt, die zum Schutz gegen das Virus erlassen worden sind. Die eingeschränkte Versammlungsfreiheit schlägt sich auch auf gottesdienstliche Feiern nieder, besonders auch auf Trauerfeiern. In der Trauerhalle auf dem Grötzinger Friedhof dürfen neben den Bediensteten des Friedhofs und dem/r leitenden Geistlichen nur 20 Personen Platz nehmen. Dadurch ist es meist nur dem engeren Kreis der Angehörigen möglich, an der Trauerfeier direkt teilzunehmen. Darüber hinaus können sich bis zu 100 Personen mit Abstand zueinander vor der Trauerhalle versammeln und die Trauerfeier wird über die Lautsprecher nach draußen übertragen.

Die Personenbeschränkung ist für manche trauernde Angehörige eine schwere Einschränkung, weil viele Menschen, die sie gerne dabei hätten, draußen bleiben müssen. Darüber hinaus ist zur Zeit der Gemeindegesang untersagt. Das befreiende gemeinsame Singen, in dem die Angehörigen auch Begleitung und Stützung durch die Trauergemeinde erleben können, fehlt so ganz. Schließlich ist so eine Trauerfeier, bei der man sich von einem/r Ehepartner/in, einem Elternteil oder anderen nahen Person verabschiedet, ein einmaliges Ereignis. Die Würdigung der verstorbenen Person ist da eingeschränkt, wo Menschen, die diese Person begleitet haben, nicht an der Trauerfeier teilnehmen können.  Auch das Beisammensein nach der Trauerfeier bei Kaffee und Kuchen ist durch die Schließung der Gaststätten und durch das Versammlungsverbot nicht möglich. Dadurch entfällt ein weiteres wichtiges Element im Trauerprozess, ein wichtiger Punkt des gemeinsamen Abschiednehmens und damit Mittragens der Trauer der betroffenen Angehörigen.

Für Menschen, die ihre Angehörige gerade in dieser Coronazeit zu Grabe tragen müssen, erschweren die äußeren Bedingungen ein angemessenes Abschiednehmen. Um so wichtiger ist es, dass diese Personen in ihrer Trauer gute Begleitung über Telefonate, Briefe oder andere Medien erfahren.

Und es bleibt die Überzeugung des Paulus, die auch wir für uns gewinnen können:

„Ich bin zutiefst überzeugt: Nichts kann uns von der Liebe Gottes trennen – nicht der Tod und auch nicht das Leben.“

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