30.08.2020: Meditation Wachsame Erwartung

Rev. Eleanor B. McCormick: Meditation-Lesung Matthäus 25,1-13, Wachsame Erwartung

Lesung Matthäus 25,1-13 (Neue Genfer Übersetzung)
Das Gleichnis von den klugen und den törichten Brautjungfern
1 »Wenn der Menschensohn kommt, wird es mit dem Himmelreich wie mit zehn
Brautjungfern sein, die ihre Fackeln nahmen und dem Bräutigam entgegengingen. 2
Fünf von ihnen waren töricht, und fünf waren klug. 3 Die Törichten nahmen zwar ihre
Fackeln mit, aber keinen Ölvorrat. 4 Die Klugen dagegen hatten außer ihren Fackeln
auch Gefäße mit Öl dabei. 5 Als sich nun die Ankunft des Bräutigams verzögerte,
wurden sie alle müde und schliefen ein. 6 Mitten in der Nacht ertönte plötzlich der Ruf:
›Der Bräutigam kommt! Geht ihm entgegen!‹ 7 Die Brautjungfern wachten alle auf und
machten sich daran, ihre Fackeln in Ordnung zu bringen. 8 Die Törichten sagten zu den
Klugen: ›Gebt uns etwas von eurem Öl; unsere Fackeln gehen aus.‹ 9 Aber die Klugen
erwiderten: ›Das können wir nicht, es reicht sonst weder für uns noch für euch. Geht
doch zu einem Kaufmann und holt euch selbst, was ihr braucht!‹ 10 Während die
Törichten weg waren, um Öl zu kaufen, kam der Bräutigam. Die fünf, die bereit waren,
gingen mit ihm in den Hochzeitssaal. Dann wurde die Tür geschlossen. 11 Später
kamen auch die anderen Brautjungfern und riefen: ›Herr, Herr, mach uns auf!‹ 12 Doch
der Bräutigam antwortete: ›Ich kann euch nur das eine sagen: Ich kenne euch nicht!‹«13
»Seid also wachsam!«, ´schloss Jesus.` »Denn ihr wisst weder den Tag noch die Stunde
im Voraus.«
Kennen Sie den Film ” Und täglich grüßt das Murmeltier ” mit Bill Murray als Phil Connors
und Andie McDowell als seine Kollegin Rita in den Hauptrollen? Bei seiner
Veröffentlichung war “ Und täglich grüßt das Murmeltier” kein großer Kassenschlager
aber mit der Zeit gewann er immer mehr an Wertschätzung und wird heute oft zu den
besten Filmkomödien aller Zeiten gezählt. Der Film aus dem Jahr 1993 spielt in
Punxsutawney in Pennsylvania. Bill Murray ist der Wetteransager Phil Connors, der von
einem Fernsehsender in Pittsburgh zur Berichterstattung über die jährlichen
Feierlichkeiten zum Murmeltiertag in die Kleinstadt Punxsutawney geschickt wird.
Jedes Jahr am zweiten Februar kommt nämlich ein Murmeltier mit dem liebevollen
Namen Punxsutawney Phil aus seinem Bau. Wenn das Murmeltier Phil “seinen Schatten
sieht” und in seinen Bau zurückkehrt um zu schlafen, dann folgen der Tradition zufolge
sechs weitere Wochen mit winterlichem Wetter. Doch wenn Phil seinen Schatten nicht
sieht und draußen bleibt, dann hat er einen „frühen Frühling“ vorausgesagt. Aber hier ist
der Haken – Bill Murray findet sich immer wieder am selben Tag wieder – in einer
Zeitschleife gefangen. Jeden Morgen wacht er um 6 Uhr auf, geweckt von einem
Radiowecker, der das Lied “I Got You Babe” von Sonny and Cher spielt. Und jedes mal
verkünden dann die Radiosprecher “Heut ist Murmeltiertag!!!” Kennen Sie das Lied?
I got you to hold my hand
I got you to understand
I got you to walk with me
Bald stellt er fest, dass sich die Ereignisse des Tages exakt so wiederholen wie am Tag
zuvor. Es ist verrückt, anstrengend und verwirrend. Zunächst gibt Bill Murray der
Apathie, der Taubheit und sogar dem Zynismus nach. An einem Punkt greift er sogar
dazu, einen Toaster in seine eigene Badewanne zu werfen. Aber wie auch immer der
Tag für ihn endet, er wacht! immer wieder am Morgen des zweiten Februar zu „I Got You
Babe“ auf. Mit der Zeit jedoch beginnt er, sein Leben und seine Prioritäten neu zu
überdenken und versucht, ein neues Ende für den sich ständig wiederholenden Tag zu
finden. Indem er sein Verhalten ändert und kleine und große Veränderungen in seinem
Leben vornimmt, versucht er, das Ergebnis des Murmeltiertags zu verändern.
Ich kann mir vorstellen, dass sich die Frauen in der heutigen Evangelienlesung auch in
einer Zeitschleife gefangen fühlten. Den ganzen Tag und dann auch noch die ganze
Nacht halten sie sich bereit und warten. Sie halten ihre Fackeln in Ordnung und
brennend. Sie warten, um den Ehrengast zu empfangen, der einfach nicht zu kommen
scheint. Er wurde „aufgehalten“, wie es heißt. Sie saßen beim Warten fest. Ein eigener
Murmeltiertag. Sie versuchen, auf die anstehende Aufgabe vorbereitet zu bleiben, aber
die Geschichte offenbart eine Spannung zwischen dem Planen für die Zukunft und dem
Leben in der Gegenwart. Auf der einen Seite drängt das Beispiel Jesu seine Anhänger,
jetzt zu handeln, auf der anderen Seite spricht er von der Notwendigkeit, vorbereitet zu
sein, gut zu warten. Ziemlich frustrierende Hinweise… Wie sind diese beiden (scheinbar
widersprüchlichen) Dinge miteinander vereinbar?
Pfarrer Robert M. McCLellan sagt dies in seinem Kommentar zu diesem Text
Die Verpflichtung Jesu auf den gegenwärtigen Augenblick und sein Gebot,
vorbereitet zu sein, gehören zusammen. Sie definieren sich gegenseitig. Die
Notwendigkeit, in der Welt zu agieren, ist geprägt von der Bereitschaft, auf eine
Art und Weise zu Handeln, die überhasteten Aktionismus vermeidet.
Die Notwendigkeit für ein dringendes Handeln erfordert auch ein aktives Warten,
und vermeidet Apathie und Gleichgültigkeit ….Wir sind eingeladen zu einem
Erwachen, zu einem wachsenden Bewusstsein für die Welt um uns herum, und
für Gottes Ankunft in dieser Welt. (Robert M. McCLellan, S. 256) (Pause)
Wieder ein Tag mit Todesopfern durch das Coronavirus und Sorgen um die Sicherheit
unserer Familien. Wieder ein Tag, an dem wir sorgfältig abwägen müssen, wo und mit
wem wir uns treffen. Wieder ein Tag, an dem wir zum Singen eine Maske tragen
müssen. Wäre es nicht einfacher, in Apathie oder Gleichgültigkeit zu verfallen, die
Zynismus hervorruft und Hoffnung verleugnet? (Pause)
Aus meiner persönlichen Sichtweise, als Amerikanerin, stellt sich das auch so dar: Ein
weiterer schwarzer Mann wurde letzte Woche von der Polizei erschossen, und nur
wenige Tage später ging ein weiterer weißer Mann mit einer halbautomatischen Waffe
auf die Straße. Haben wir diesen Tag nicht schon einmal erlebt? Mitten in einer
Pandemie werden die Forderungen nach Gleichheit und Sicherheit, die in einem weiteren
Protest erhoben wurden, von einer rassistischen Regierung nicht anerkannt. Wie kann
so etwas noch einmal geschehen? (Pause)
Diese Woche kam ich in die Kirche und stand unter diesen Brautjungfern, die ihre
Laternen halten. Haben Sie bemerkt, dass alle 10 hier sind? Ich habe mich einen
Moment lang hingesetzt, um zu beten und über die Geschichte nachzudenken, in der sie
beschrieben werden. Und mir wurde klar, dass sie mich und uns einladen, unser Leben
in wachsamer Erwartung und nicht in schläfriger Apathie zu leben. “Die Geschichte
fordert uns auf, wach, wachsam und vor allem hoffnungsvoll zu sein.” (Daniel J. Ott, S.
258) Wachsame Erwartung kann sich in Solidarität ausdrücken – wie ich sie gesehen
habe, als mehrere NBA-Mannschaften sich in dieser Woche weigerten zu spielen, oder
als Pfarrerinnen und Pfarrer sich in den vordersten Reihen den Protesten anschlossen.
Wachsame Erwartung kann sich in Kreativität ausdrücken – darin, neue Wege der
Hilfeleistung und Beziehungsgestaltung mit unseren Nachbarn in Grötzingen zu finden.
Wachsame Erwartung kann sich an der Wahlurne ausdrücken – in Impulsen für
Veränderungen und dem Wunsch nach Gleichheit und Menschenwürde.
Bill Murray beginnt am Murmeltiertag schmerzhaft und langsam, sein Leben und seine
Prioritäten zu überdenken. Es geschieht nicht alles auf einmal, er wacht nicht plötzlich
an einem neuen Tag auf. Es geschieht mit kleinen und bewussten Schritten, um eine
bessere Zukunft aufzubauen – eine gütigere Zukunft

Die Zeitschleife endet schließlich, als Rita sich in Phil verliebt. Im Film beginnt der neue
Tag wie alle anderen – mit Sonny & Cher im Radio. Aber dieser Tag ist nicht wie alle
anderen. Es ist der 3. Februar, und Phil und Rita wachen gemeinsam auf, gehen hinaus
um die friedliche, schöne Stadt zu bestaunen und beschließen, ihr künftiges Leben
miteinander in Punxsutawney zu verbringen. Schließlich wird uns mitgeteilt, dass der
Bräutigam eintrifft und ein Hochzeitsmahl vorbereitet wird. Nun ist es unsere Aufgabe,
in Erwartung dieses Festes zu leben…ohne Angst Im Vertrauen auf Gott zu leben
(6,25-34), weil Gott jeden Morgen sagt: “I’ve Got you [Babe].”
I got you to hold my hand
I got you to understand
I got you to walk with me
I got you to talk with me
I got you to kiss goodnight
I got you to hold me tight
I got you, I won’t let go
I got you to love me so.